RANDNOTIZEN steirischer herbst 2015

RANDNOTIZEN steirischer herbst 2015

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studio ASYNCHROME notiert, skizziert, fotografiert und beobachtet neben Fridgeir Einarsson, Anna Peschke und Christop Dolgan für die Randnotizen des Steirischen Herbstes. Der erste Post entstand am 26.05.2015 und wird sich bis bis Ende Oktober immer mehr verfeinern, verdichten, verflechten, verkappsel…

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Wenn wir über die logo_steirischer herbstZukunft in einer künstlerisch / architektonischen Gegenwart sprechen, tauchen wir in eine Welt ein, in der unsere Umgebung (gesellschaftlich so wie gebaut) durch den Willen des Kapitals generiert wird. Wir denken an Roboter, die sukzessive einen nicht mehr wegzudenkenden Anteil unserer Arbeits- wie auch Lebensweise einnehmen. Die Situation eines fiktiven Marktes und die Realität unserer Lebensumwelt driften immer weiter auseinander. Kreisläufe, welche sich immer schneller um sich selbst drehen, verhindern effektiv das Verstehen von aktuellen Tendenzen – produzieren, verkaufen, maximieren, verteidigen – doch um welchen Preis? In einer Zeit der Globalisierung, des Neoliberalismus, der Transparenz, des Internets der Dinge wird das persönliche Miteinander leider immer mehr und mehr in den virtuellen Hinter- oder Vordergrund verlagert. Vererben, Erben, Enterben. Was ist die Grundlage? Was bleibt? Durch eine global gesehen, verstärkte Landflucht und das damit einhergehende exponentielle Wachstum der Städte, werden erneut die urbanen sowie gesellschaftlichen Zusammenhänge auf die Probe gestellt.

Bei der zentralen Suche nach Antworten, Lösungen und dem globalen „WIE WEITER“, stoßen wir in einer Zeit der Ergebnisorientiertheit langsam aber sicher an unsere Grenzen. Was passiert also, wenn man die Stadt nicht als zu verteidigendes System, sondern erneut als gegenwärtige Basis, gegründet auf unglaublich vielen dynamischen Prozessen und Chancen versteht?
Back to the Future ist für uns ein signifikater Aufruf, die Utopie wieder in die gesellschaftlichen Prozesse einzuführen. Schon 1516 skizzierte Thomas Morus in seiner ambivalenten Schrift „Utopia“ eine Möglichkeit des gesellschaftlichen Denkens, um Zusammenhänge zu erkennen und diese auch zur Diskussion zu stellen. Doch im Laufe der Jahrhunderte entwickelte sich die Vorstellungen der Utopie zu einem fiktiven, zum Scheitern verurteilten, negativ konnotierten Plan. Gerade unsere heutigen, pluralen Wirklichkeiten verlangen aber erneut nach einer diffizileren Betrachtungsweise. Sodann: Back to the future! Wie können wir aus vorhandenen Ideen lernen und unsere zeitgenössischen Schlüsse daraus ziehen? Die Utopie ist ein, dem Wortstamm inhärenter, ambipolarer Denkansatz, ein Entwurfswerkzeug, welches uns ermöglicht, vielschichtige Potentiale aufzuzeigen – eine Notwendigkeit, um sich den immer komplexeren, schnelleren Tendenzen und Zusammenhängen der Gegenwart zu nähern und zu verstehen, um aber erst in weiterer Folge über die Zukunft dieser Gegenwart nachdenken zu können. Wie schon Constant Nieuwenhuys und Christian Dotremont bemerkten: „Das Experimentieren ist nicht einfach ein Werkzeug zur Erkenntnis, es ist Voraussetzung der Erkenntnis in einer Zeit, in der unsere Bedürfnisse den kulturellen Bedingungen nicht mehr entsprechen, die sie kanalisieren wollen – die Phantasie ist das Mittel um die Wirklichkeit zu erkennen.“ (Vgl. Cobra, Nach uns die Freiheit) Lasst uns gemeinsam die Utopie suchen!

Wo ist der Homo ludens? Oder arbeitet er/sie schon längst in den Headquatern von Google, Facebook ect. ? Besitzt der Entwurf „Fun Palace“ von Cedric Price noch Relevanz, oder ist er schon längst, entgegen seiner Bestrebung, Teil einer neoliberalen Wohn- und Arbeitsweise?Wir posten nicht – wir schicken Post. An Sie alle – an einen unbekannten Leser, eine unbekannte Leserin – an die Vergangenheit, die Gegenwart, die Zukunft – an dich, an euch – vielleicht auch an uns selbst.


Die Zeichnung ist dabei für uns eine unmittelbare Umsetzung eines zeitintensiven Konzipierens und Recherchierens. Langsam verhält sich die Zeichnung, jedoch ist diese Unmittelbarkeit eine direkte prozessuale Übersetzung, vergleichbar der ersten Ideenskizze – analoge Produktion im digitalen Zeitalter, dem Zeitalter des Menschen (Anthropozän).

M+M 2015

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